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Geschichte >> Seite 1 Chronologie
   
Das Vierordtbad im Wandel der Zeiten
Das Vierordtbad im Wandel der Zeiten
 
     Die Geschichte des Vierordtbads      
     
    Chronologische Darstellung der einzelnen Bauabschnitte  
  1871 bis 1873

Der Bau des Vierordtbads geht auf eine Stiftung des Bankiers Heinrich Vierordt zurück. Er hat 1867 der Stadt 60.000 Gulden für wohltätige Zwecke vermacht. Er stiftete diesen Betrag allerdings nicht in der Absicht, damit ein Bad zu bauen, sondern eine Markthalle. Darob gab es jedoch größte Empörung bei den Marktfrauen, die begreiflicherweise genau wie ihre Altvorderen die Erzeugnisse auf der Straße feilbieten wollten. So kam es schließlich doch zu einem Bad, das nach seinem Stifter Vierordtbad getauft wurde.

Der Stifter, Bankier Heinrich Vierordt (1797 bis 1867) ist nicht mit dem namensgleichen Karlsruher Heimatdichter und Schriftsteller Heinrich Wilhelm Vierordt, der von 1855 bis 1945 lebte, zu verwechseln. Er ist aber sein Großvater gewesen. Ein weiterer großzügiger Mäzen des Bades war der Maler Wilhelm Klose, der den Brunnen stiftete.

Entworfen hat die Gebäude, die damals direkt an den Stadtgarten angrenzten, Oberbaudirektor Josef Durm (1837 - 1919), der auch die Bauausführung begleitete. Gebaut wurde von 1871 bis 1873.

Das Vierordtbad ist dabei nicht, wie oft angenommen, im Jugendstil errichtet worden. Vielmehr war Durm, der das Stadtbild Karlsruhes mitgeprägt hat, dem Historismus verpflichtet. Er war ein Hauptvertreter der Neorenaissance italienischen Vorbilds.

Eröffnung war am 3. April 1873.

Es entstanden Wannenbäder, verschiedener Klassen nach Herren und Damen getrennt. Die großen Wohnhäuser hatten damals in der Regel keine Bäder, deshalb war der Bedarf an öffentlichen Wannenbädern gegeben. Dampfbäder, und die Kurabteilung rundeten das Angebot ab. Mittelpunkt der Anlage war die Rotunde mit dem eindrucksvollen Kuppeldach.

 
Das Vierordtbad ca. 1880
Das Vierordtbad ca. 1880
 
           
     
           
  1874 bis 1892 Vergrößerung, 1879 und 1884 Verbesserung der Heizungsanlage, 1887 Einbau einer Gasbeleuchtung.

Das Freskobild wird 1892 aus einer Stiftung des Malers W. Klose durch Prof. Robert Ulke - München - in Mosaik neu hergestellt. Die Kuppel ist im Inneren durch vier von W. Klose geschaffenen und der Stadt geschenkten Landschaften geschmückt.
     
           
   
Vierordtbad 1897

Bereits nach 25 Betriebsjahren war der bauliche Zustand schlecht und die technischen Einrichtungen waren veraltet. Es wurde erwogen, das Bad abzubrechen. Dazu hieß es 1897 in einer Vorlage des Oberbürgermeisters an den Bürgerausschuss:

"Das Gebäude ist aber, ...., doch ein hervorragendes Kunstwerk und gibt in seiner schlichten einfachen Schönheit ein beredtes Zeugnis von der Genialität des Karlsruher Meisters, der es geschaffen. (Anmerkung: Oberbaudirektor Josef Durm) Die Zerstörung einer solchen Zierde unserer Stadt wäre geradezu eine Barbarei und könnte auch mit der Erzielung finanzieller Vorteile niemals entschuldigt werden."

Ausschlaggebend für die Weiterführung und Verbesserung des Bades war jedoch das Bedürfnis der Bevölkerung nach einer öffentlichen Badeanstalt und die Notwendigkeit beim Schließen des Bades die Stiftung von 124.089 Mark (ca. 60.000 Gulden) zu ersetzten.
 
           
  1898
bis
1900
Bisher wurden hauptsächlich Wannenbäder angeboten. Daher entstand der Wunsch, in einer Halle ganzjährig ein Schwimm- und Badebecken vorzuhalten. Die Erweiterung der Badeanlage erfolgte durch den Stadtbaurat Wilhelm Strieder. Es wurde die Schwimmhalle mit dem Bassin
28,70 x 10,70 Meter, größte Tiefe 2,80 Meter errichtet. Außerdem entstand die neue Kurabteilung mit Warm- und Kaltwasserbecken, mit etlichen weiteren Einrichtungen und 40 auf zwei Geschosse verteilte Auskleide- und Ruhezellen.Neueröffnung der Badeanlage nach diesem großen Um- und Erweiterungsbau war am 2. Juli 1900. Anschließend an das Kurbad wurden neue Räume für die Wäscherei und das Kesselhaus mit allem Zubehör erstellt.

Es gab Planungen, in Verlängerung des Westflügels eine weitere Schwimmhalle für Frauen zu errichten. Eine Realisierung fand jedoch nie statt. Statt dessen wurde in unmittelbarer Nachbarschaft zum Vierordtbad das Tullabad gebaut und 1955 eröffnet.
 
Schwimmhalle ca. 1920
Schwimmhalle ca. 1920
 
     
           
  1938 Erste größere Sanierungen erfolgten in der Schwimmhalle. Die herrlichen Stuckarbeiten an der Decke und im Kabinenbereich wurden leider entfernt. Die großzügigen Holzkabinen wurden durch schmalere Kabinen ersetzt. Sowohl an den Wandflächen als auch den neuen Kabinen wurden die grünen Majolika-Fliesen verlegt. Außerdem wurden Teile der Technik saniert.      
           
  1944
bis
1959
1944/45 Kriegsbedingte Schließung für 8 Monate. 1950 lobt der Bäderfachmann "Mr. Nicolls" aus Los Angeles USA die Technik der Schwimmhalle. Das Wasser wird alle 8 Stunden einmal durch Sandfilter gereinigt und chloriert.

Nachdem Pläne existierten, doch eine zweite Schwimmhalle zu errichten (diese war als Frauenbad ja bereits 1900 angedacht), entschied man sich schließlich zum Bau des Tullabads. Das Tullabad eröffnete 1955, damals mit weltweit beachteter modernster Technik, die nahezu unverändert, lediglich immer instandgehalten noch heute ihre Dienste tut.
Das Wasser der Schwimmhalle des Vierordtbads wird ab diesem Zeitpunkt ebenfalls im Tullabad aufbereitet. Zwei mächtige Gussleitungen (DN 300), die in einem unterirdischen Gang verlegt sind, verbinden beide Bäder.

1959 weitere Renovierungsarbeiten.
 
 Schwimmhalle ca. 1940
Schwimmhalle ca. 1940
 
           
  1959 Anbau eines eingeschossigen Gebäudes für Unterwasse-rmassage im Süden des Westflügels im Bereich des heutigen Whirpools. Nutzfläche ca. 90 m².      
           
  1960 Neuer Eingang für die Schwimmhalle von der Ettlinger Strasse aus im nüchternen Stil der Sechzigerjahre, absolut unpassend zur historischen Fassade.      
           
 

1962
bis
1964

Das Kurbad von 1900 befand sich in einem recht schlechten Zustand. Insbesondere gab es Feuchtig-keitsprobleme in den Räumen, in denen sich die Becken befanden. Außerdem war die Anzahl der Umkleidekabinen wohl nicht ausreichend. Es gab Planungen, lediglich den zweigeschossigen Umkleidetrakt durch einen Neubau zu ersetzen. Doch leider entschied man sich für Abriss und Neubau des gesamten Kurbads. Im Schriftwechsel aus der damaligen Zeit, ging es wie heute um wirtschaftliche Überlegungen. Sicherlich deshalb gab es die Planungen lediglich den Umkleidetrakt neu zu bauen und den Rest des Kurbads zu sanieren. Die herrliche Bausubstanz wird jedoch nirgends erwähnt, für den Denkmalschutz hatte man in den 60. Jahren des 20 Jahrhunderts scheinbar wenig übrig.

Im Juni 1962 wurde mit dem Abriss begonnen, aus heutiger Sicht nur zu bedauern! Den nüchternen Bau im Stil der 60. Jahre plante der Architekt Hans-Jürgen Lau. Die Wiedereröffnungsfeier fand am 15. Mai 1964 statt.

In dem eingeschossigen Bau befanden sich ein großer Umkleidebereich, Heiß- und Warmlufträume, Dampfräume sowie ein Warmwasser- und Kaltwasserbecken. Über den Becken schuf der Karlsruher Künstler Carl Egler (1896 bis 1982) ein Majolika Wandbild aus Fliesen.

 
Wandbild von Carl Egle
Wandbild in der Sauna von Carl Egler
 
       
Schwimmhalle 2002
Schwimmhalle 2002
 
  1967
bis
1990
1967 Erneuerung der Fliesen des Beckens in der Schwimmhalle. Weitere Sanierungsmaßnahmen, etwa Einbau von Saunen im Kurbad. 1977 Erneuerung der Duschen und des Kassenbereichs in der Schwimmhalle. 1984 Einbau von Massagedüsen und der Schwallbrause im Schwimmbecken.    
         
  1981 Fertigstellung des sogenannten "Böhlerbaus" als Ersatz des Gebäudes für Unterwassermassage von 1959. In diesem Bau befindet sich heute das Whirlpool und der neue Ruheraum.    
         
  ab
1996
Umgestaltung des Kurbads zum Gesundheitszentrum in mehreren Bauabschnitten: Errichtung verschiedener Saunahütten im westlichen Innenhof. Umgestaltung und Verlegung des Umkleidebereichs. Dadurch wurde der große zentrale Raum gewonnen. Kurz vor Weihnachten 2001 ist das Whirlpool und ein weiterer Ruheraum der Öffentlichkeit übergeben worden.    
         
  2002 bis 2005 Im August 2002 wird die Schwimmhalle für eine umfassende Sanierung geschlossen. Unter Berücksichtigung denkmal- schützerischer Gegebenheiten entsteht im historischen Gebäude eine moderne Badeanlage mit zwei Becken und zeitgemäßer energiesparender Technik.

Ab Mai 2004 wird im Gesundheitsbad die immer noch vorhandene Dampfheizung auf Fernwärme umgestellt. Dabei muss die komplette Lüftungsanlage in diesem Bereich ersetzt werden. Durch den Einbau von Wärmerück-gewinnungsanlagen wird der Energieverbrauch nach der Sanierung erheblich geringer sein .

Feierliche Eröffnung nach dieser umfangreichen Sanierung war am 29. Januar 2005 durch den Oberbürgermeister Heinz Fenrich. Durchgeführt hat die Sanierung das Karlsruher Architekturbüro

MauL.FischeR.

   
       
   
Das Kesselhaus
 
   

Das Vierordtbad hatte ehemals ein eigenes Kesselhaus das primär (ca. 1900) Wärme und Strom für das Bad lieferte. Nach etlichen Umbauten diente es den Stadtwerken als Heizwerk Mitte. Es konnte Wärme in das städtische Fernheiznetz einspeisen. Umbauten und Ergänzungen fanden unter anderem in den Jahren 1956 und 1961 statt.

 
Kesselhaus
Das Kesselhaus mit Kamin, im März 1989
 
         
    Neben dem Kesselhaus stand im Freien ein großer Warmwasserbehälter, der 1973 durch einen 45.000 Liter Behälter, ebenfalls im Freien aufgestellt, ersetzt wurde. Heute ist ein Behälter mit 9.600 Litern - im Keller eingebaut - absolut ausreichend, da unter anderem sparsame Duschköpfe eingebaut wurden.    
         
    Sowohl Kesselhaus als auch der Warmwasserbehälter wichen im Jahr 1989 dem Neubau der Gartenhalle. Lediglich der historische Kamin blieb erhalten und befindet sich heute mitten in der Gartenhalle.    
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Seite aktualisiert am: 05.03.2005